Fischerpfad 09.04. - 16.04.2025

An den Weihnachtsfeiertagen 2024 kam mir das erste mal die Idee für eine Mehrtagestour und so fragte ich kurzerhand Kevin, meinen ältesten Sohn aus erster Ehe, ob er sich so etwas mit mir vorstellen könnte. Er war sofort Feuer und Flamme und so beschlossen wir eine gemeinsame Tour im Herbst 2025 zu planen.

Kurz darauf, noch vor Silvester legte mich eine Corona Infektion lahm und ich hatte viel Zeit mich über Fernwanderwege auf sozialen Netzwerken zu informieren. Der Fischerpfad ( Rota Vincentina ) hat mich direkt begeistert. Die Videos die ich auf Youtube gesehen habe ließen mich nicht mehr los. Ich habe mir sämtliches Material gegesehen was ich nur finden konnte. Spätestens jetzt waren mir zwei Dinge klar.

1. Der Fischerpfad sollte der erste Mehrtages- Wanderurlaub werden.

2. Ich kann damit nicht bis zum Herbst warten!

 

So fing ich an zu planen und im Netz zu suchen was Flüge und Unterkünfte kosten würden. Welche Jahreszeit ist für diesen Trip am geeignetsten...?

Kevin (26) und ich (46) sind beide berufstätig und konnten ausserhalb der Schulferien planen. Ich habe noch während der Corona Infektion die Etappen zwischen Sines und Odeceixe geplant, alle Unterkünfte reserviert mit einem Tag Pause, einem ( Zero Day ) zwischen den Etappen und einem Zero Day am Ende unserer Reise in Lagos an der Algarve. Die detailierte Geschichte mit Bildern folgt dann weiter unten.

Da war nur noch eine letzte Hürde. Meine bessere Hälfte Irina, die die Zeit mit unseren beiden Kindern Greta (8) und Johann (5) ohne mich managen müsste wärend des Trips. Sie musste mir noch das Okay geben.

Der Plan war so gestrickt das wir von unserer Wanderung den Mittwoch vor Gründonnerstag wieder zuhause sind und ich dann schon am Ostersonntag wieder mit der Familie nach Werdum ( Ostfriessland ) fahre für eine Woche.

Lange Rede kurzer Sinn, meine Frau hat JA gesagt! Danach hab ich auch direkt fix die Flüge gebucht, damit auch bloß nichts mehr passieren kann :-)

 

 

und so ging es weiter...

Was brauche ich alles???

Die Flüge waren gebucht und die Unterkünfte waren vom ersten bis zum letzten Tag reserviert, aber was brauchen wir sonst noch für diese Reise? Ich war schon oft im Urlaub gewesen, auch mit dem Flieger, keine Frage. Aber sonst hatten wir ein Hotel an dem wir einaml angekommen blieben bis es wieder nach Hause ging. Eins war klar, alles was wir mitnehmen werden, müssen wir über die komplette Strecke auf dem Rücken tragen, von Unterkunft zu Unterkunft.

Ein passender Rucksack musste her, der den täglichen Bedarf an frischer Wäsche, Multimedia ( Drohne inkl. Akkus, Ladegeräte, Handy ), Pflegeartikel, Erste Hilfe Kit, aber natürlich auch noch Platz für eine Fleece- und Regenjacke bietet. Ausserdem wird noch Platz für den Tagesproviant benötigt.

 

Ich entschied mich nach einigen Recherchen für ein No Name Model mit 55 Liter Fassungsvermögen. Ein neues Baseball Cap als Sonnenschutz und Schuhe habe ich mir auch noch gegönnt. Ausserdem noch Gamaschen, weil ich gehört habe das die sehr sinnvoll sein sollen damit kein Sand in die Schuhe fällt um Blasenbildung durch Reibung zu reduzieren. Was ich noch als sinnvoll in einem Bericht gesehen hatte waren wasserdichte Kunstofftüten zum zuzurren in verschiedenen Größen. Die brachten den Vorteil alles struckturierter und systematisch zu packen im Rucksack und ausserdem bei lang anhaltendem Regen die Sachen zusätzlich nochmal vor Nässe zu schützen. Zusätzlich hatte der Rucksack noch eine eigene Regenhaube. Ich werde später immer mal wieder während des Berichts etwas zu Kleidung und Wanderzubehör berichten.

Der Rucksack war nun auch da und ich konnte alles Probe packen. Es passte wirklich alles gut und Platz für Wasserflaschen war in den Seitentaschen auch noch gegeben. An Verpflegung für die Etappen würden wir sonst nicht sehr viel brauchen, das wussten wir im Vorfeld, da wir in den meisten Unterkünften morgens Frühstück inkl. gebucht hatten oder wir uns sonst vorgenommen hatten im Dorf vor dem Aufbruch etwas auf die Hand zu holen und nach den Tagestouren die portugisischen Lokale zu besuchen.

Wir waren bereit!

Kevin hatte noch frühzeitig einen Parkplatz in der nähe des Flughafens Düsseldorf inkl. Transfer gebucht. Vielleicht erstelle ich bei Interesse auch noch eine Liste der Kosten und Preise der Reise. Schreibt generell gerne in die Kommentare was euch interessiert oder Fragen die Ihr habt.

nur noch ein paar Tage...

Tag 1 - Lissabon - Porto Covo

Endlich war er da, der 09.04.2025. 

Unser Flieger ging um 6.20 Uhr von Düsseldorf nach Lissabon und so fuhr ich um 3.00 Uhr zuhause los um Kevin auf dem Weg zum Flughafen in einem Nachbardorf einzusammeln. Wir kamem gut durch und waren pünktlich am Parkplatz, stellten dort nur fest das wir verpennt hatten min 15 Minuten vor Ankuft den Vermieter des Parkplatzes wegen des Transfers anzurufen. Es war kein Drama da wir schon Online eingecheckt hatten und unser Zeitfenster noch genug Puffer hatte. Nach knapp 30 Minuten wurden wir dann auch abgeholt und waren 5 min später am Flughafen.

In den Flughafen rein und eben noch die Rucksäcke am Aufgabegepäck abgeben, dann durch die Sicherheitskontrolle und ab zum Gate.

Als Handgepäck hatte ich mir noch eine Jutetüte und eine Bauchtasche mitgenommen damit ich ein paar Kleinigkeiten, unter anderem die Akkus der Drohne mit in den Flieger nehmen konnte da diese nicht ins Aufgabegepäck dürfen.

Alles verlief reibungslos, der Flug startete pünktich und wir landeten nach 3 Std 5 Min um 8.25 Uhr in Lissabonn. Portugal hat eine Stunde Zeitverschiebung zu Deutschland, so hatten wir noch eine Stunde gut gemacht.

Von hier aus weiter war alles weitere geplant. Nur noch eben die Rucksäcke vom Gepäckband holen und dann mit der Metro ( U-Bahn ) oder einem Taxi zum Busbahnhof " Sete Rios ". Von hier aus war schon ein Ticket gebucht mit dem " Rede Expressos " ( Fernbus ) nach Sines von wo unsere erste kurze Etappe von 10,2 km nach Porto Covo beginnen sollte.

Ankunft in Sines 13.10 Uhr.

Zurück im Flughafen...

Aus dem Flugzeug raus durch den Flughafen Lissabonn den Schildern und Anzeigetafeln folgend zu unserem Gepäckband angegommen wo die Gepäckausgabe bereits begonnen hatte. Nach einer Weile kam der Rucksack von Kevin und jede Menge andere Koffer und Taschen, aber meiner fehlte noch. Wir hatten in Düsseldorf noch Späße gemacht zu genau dieser Situation, aber nein das konnte nicht sein. Ich habe meinen Rucksack direkt nach dem von Kevin aufs Laufband gelegt, wie sollte das gehen?

Ausserdem warteten noch ein paar einzelne andere Passagiere auch auf Ihr Gepäck, es müsste also gleich weiter gehen.

Jetzt waren ca. 15 min vergangen seiddem nur noch wir an dem Gepäckband standen welches mittlerweile stehen geblieben war.

Mit leichter Panik versuchten wir Personal des Flughafens aufzufinden die uns weiter helfen sollten. Ein Mitarbeiter des Flughafens begleitete uns zu unserem Gepäckband und gab uns anschließend den Tipp es noch an dem Gepäckband zu versuchen wo Speergepäck und nicht zuortbare Gepäckstücke ankamen.

Allerdings hatten wir auch dort kein Glück. Da Kevin im englischen um einiges sicherer ist als ich stellte er sich am Büro für verloren gegangene Gepäckstücke an um eine Vermisstenanzeige aufzugeben, während ich alle Gepäckbänder des Flughafens absuchte mit der Hoffnung das mein Rucksack vielleicht einfach ausversehen fasch sortiert worden war. Auf einigen Bändern lagen Herrenlose Gepäckstücke herum, meinen Rucksack fand ich aber leider nicht.

Bis mein Sohn den Rucksack als vermisst gemeldet hatte und wir aus dem Flughafen raus waren war der Bus in dem unsere Plätze reserviert waren längst abgefahren. Es war mittlerweile ca. 10.45 Uhr und wir nahmen vom Flughafen ein Taxi zum Busbahnhof Sete Rios um den nächsten Bus nach Sines zu erwischen. An dieser Stelle ein guter Rat. Verhandelt den Fahrpreis bevor ihr ins Taxi einsteigt! In unserem Fall hat der nette, dezent nach Schweiss riechende Fahrer einfach mal zu Beginn der Fahrt die Taxometer Uhr abgedeckt, bei der Ankunft so getan als wenn er nichts versteht und uns dann für 8 km 30 Euro abgenommen.

Dort angekommen teilte man uns mit das erst um 16.00 Uhr der nächste Bus zwei Plätze frei hat. Unsere Laune war jetzt ziemlich im Keller. Am Busbahnhof zu warten machte keinen Sinn. Wir hatten 30 Grad in Lissabon und beschlossen uns einfach ein bisschen in der Stadt zu bewegen bis unser Bus am Nachmittag ging, in der Hoffnung das sich ja vielleicht der Flughafen noch meldet weil sie meinen Rucksack wieder gefunden haben. Wir hatten einen Link zu unserer Vermisstenanzeige bekommen in der wir zu jeder Zeit den Status der Bearbeitung einsehen konnten. An dieser Stelle möchte ich noch eben erwänen dass das Personal am Flughafen in Lissabon wirklich sehr freundlich und bemüht gewesen ist.

 

 

so liefen wir einfach los...

Porto Covo

Auf einer Terasse in Lissabon bei einem kalten Glas Bier errreichte uns dann die Mitteilung das mein Rucksack Düsseldorf nicht verlassen hat und aktuell immer noch dort liegt. Er soll mit einem der nächsten Flieger nach Lissabon nachgeschickt werden und dann zur Unterkunft gebracht werden. Was das Problem nicht kleiner machte denn schon am Flughafen wurden wir gefragt in welchem Hotel wir wohnen. Da wir aber ja jeden Tag eine andere Unterkunft haben, mussten wir für jeden Tag unserer Reise die Unterkunft mit Datum, wann wir einchecken und wann wir jeweils wieder auschecken angeben. 

Genug vom Rucksack jetzt! Ich hatte mich einigermaßen mit der Situation abgefunden, wir saßen nun im Bus und wollten den Trip jetzt einfach genießen.

Die Busfahrt sollte ca. 2,5 Stunden dauern darum hatten wir schon in Lissabon beschlossen den ersten Abschnitt zwischen Sines und Porto Covo liegen zu lassen und erst in Porto Covo auszusteigen.

In Porto Covo ausgestiegen war die welt nun entgültig wieder in Ortnung.

 

die Ankunft...

Kleines Kiosk direkt an der Bushaltestelle

Blick auf Porto Covo und den Altlantik

Endlich angekommen gönnten wir uns eine Dose Sagres auf den Stühlen des Kiosks in diesem malerischen Fischerdorf. Im Anschluss liefen wir das Dorf etwas aufwärs wo sich die Unterkunft für unsere erste Nacht befinden sollte.

Die Unterkunft war schnell gefunden und wir haben eben eingecheckt und die Sachen aufs Zimmer gebracht.

Jetzt wollten wir aber endlich den Atlatik aus der Nähe sehen und danach im Dorf noch etwas essen und den Abend nach dem aufregenden Tag ruhig ausklingen lassen.

 

Zum Fischerpfad zählen 13 Etappen mit insgesamt 226,5 km

Tag 2 - Porto Cova - Vila Nova de Milfontes

Heute ist der 10.04.2025. Die erste Etappe von Porto Covo der Küste entlang nach Vila Nova de Milfontes lag vor uns. Wir hatten gut geschlafen in unserer Unterkunft machten uns frisch und gingen zum Frühstücksbuffet in einem gemütlichen Raum wo schon einige frühstückten denen man an ihrer Kleidung ansah das sie aus dem gleichen Grund hier waren wie wir.

Es hatte über Nacht etwas geregnet und es war noch leicht am tröpfeln als wir am Tisch saßen. Eine Terassentür nach draußen war geöffnet und diese frische, saubere Luft tat einfach gut. Kalt war es überhaupt nicht. Sie hatten für unsere komplette Woche Regen gemeldet aber heute sah es erstmal nicht danach aus.

Nachdem wir gut gefrühstückt hatten holten wir unsere Sachen aus dem Zimmer und checkten an der Rezeption aus. Der freundliche Mann hinter der Rezeption wünschte uns einen schönen Tag und wies uns darauf hin das wir uns auf jeden Fall genügend Wasser auf den Weg mitnehmen sollten, da es auf der Strecke keine Möglichkeit gibt etwas zu besorgen.

Dem Rat folgten wir gerne. unsere erste Etappe hatte 19,6 km und aus Videos wusste ich das weite Streckenabschnitte durch tiefen Sand gehen werden die die Strecke gefühlt verdoppeln würden. Dazu kam das wir uns konditionell überhaupt nicht vorbereitet hatten. Aber wir hatten ja den ganzen Tag Zeit und nichts anderes zu tun als laufen und Pause zu machen wann immer wir wollten...

Wir waren früh dran, die Geschäfte hier in den kleinen Dörfern öffne frühestens um 9.00 Uhr. So liefen wir von der Unterkunft kreuz und quer durch die Gassen richtung Meer. An der Promenade angekommen erreichten wir dann einen Mini Supermarkt wo man das nötigste bekommen konnte, zb. eine Zahnbürste und Zahnpasta für meine Bauchtasche. Ein Ladekabel mit USB C Anschluss gab es leider nicht. Da ich für meine Drohne ein zweites Handy mit hatte und beide Handys am Start unserer Reise aufgeladen waren hatte ich jetzt wenigstens für diesen Tag noch ein vollen Akku. 

Wir nahmen uns noch jeder 3 Liter Wasser mit auf den Weg und ich kaufte noch ein paar Plätzchen und Schokoriegel für unterwegs.

 

der Start...

Die ersten Eindrücke direkt nach dem Aufbruch...

Es war schon trocken als wir die Unterkunft verließen und jetzt wurde es auch allmählich immer wärmer. Es war überhaupt nicht das Wetter was sie eigentlich gemeldet hatten, zu unserem Glück. Schon seid einigen Tagen beobachteten wir die Wettervorhersage von zuhause aus. Erst vor 2,5 Wochen hatte Sturm Martinho über weite Teile Portugals gewütet und für Überschwemmungen gesorgt.

Wir hatten auch mit viel mehr Wind gerechnet hier direkt an der Küste aber die Luft stand quasi, was sogar für eine gewisse Schwüle sorgte. Ich war in diesem Moment das erste mal froh das ich keinen schweren Rucksack zu tragen hatte :-)

Nach den ersten Kilometern war es mittlerweile so warm das ich Beschloss meine Wanderhose zu kürzen. Ich hatte zusätzlich noch eine Kurze Wanderhose mitgenommen, aber die befand sich leider in meinem Rucksack.

Ich hatte tatsächlich jetzt hier in Portugal erst bemerkt das meine Wanderhose die ich trug eine Zip-Off Hose war bei der ich die Hosenbeine mit einem Reißverschluss abtrennen konnte und so eine Shorts hatte.

Als ich am Wegrand saß und meine Schuhe samt Gamaschen auszog um die Hosenbeine auszuziehen hatten wir den ersten Konakt mit einer Wanderin die ebenfalls auf dem Fischerpfad unterwegs war, allerdings alleine. Wie wir zu einem späteren Zeitpunkt erfuhren war ihr Name Sabine.

Wir unterhielten uns kurz über die üblichen Sachen wie Wetter, Anreise, bis wohin geht die Tour, in Sand lässt es sich kacke laufen, Unterkünfte, in welcher Beziehung steht ihr zueinander und... warum trägt nur dein Sohn einen Rucksack? Trägt er deine Sachen mit oder nutzt du einen Gepäcktransport? Sabine nutzte diesen Service und war so nur mit leichtem Tagestour Rucksack unterwegs.

Wir erzählten ihr die Geschichte von meinem Rucksack und verabschiedeten uns bis später mal.

Mit kurzer Hose und im Shirt, die Regenjacke im Jutesack und die Fleecejacke um die Hüfte gebunden ging es gemütlich weiter und bald kamen wir das erste mal direkt ans Wasser...